Risiko, wo es nicht erwartet wird

27. September 2017
-News, IAM

Erika Mesmer, Client Relationship Manager

Schaut man 100 Jahre zurück in der Geschichte, stossen wir auf zwei Weltkriege, Hyperinflationen in mehreren Ländern und viele verschiedene Finanzkrisen. Es ist schwer zu erfassen, wie sehr sich unsere Welt in den letzten hundert Jahren geändert hat. Österreich ist dabei, eine Anleihe über 100 Jahre zu platzieren, was uns überlegen lässt, was alles passieren wird, bis diese 2117 ausläuft. Dies hält den Markt jedoch nicht zurück, Interesse zu zeigen: Rund 11 Milliarden Euro sind für die Anleihe geboten, welche einen Coupon von 2.1% zahlen sollte.

Auch wenn diese Anleihe die erste dieser Länge in der Eurozone ist, gibt es einige andere Anleihen mit sehr langen Laufzeiten, die wir näher betrachten können. Österreich hat 2016 zum Beispiel schon eine 70-jährige Anleihe platziert, mit einer Maturität 2086. Diese hat einen Coupon von 1.5%. Das Interesse im Markt war solide, da für die 2 Milliarden über 7.8 Milliarden geboten wurden.

In der Schweiz hat die Eidgenossenschaft 2014 eine 50-jährige Anleihe herausgeben, mit einem Coupon von 2%. Nach drei Jahren hat sie 44.8% zugelegt und bietet heute eine Rendite von 0.47%.

Für Emittenten sind die Vorteile leicht zu erkennen: Sie können die aktuell niedrigen Zinsen für eine sehr lange Zeit fixieren und die Rückzahlung des Kapitals in die weite Zukunft schieben. Steigt die Inflation in der Zukunft, sieht der Staat seine Schulden automatisch reduziert. Der einzige negative Punkt für den Emittenten ist der höhere Coupon, verglichen mit kürzeren Laufzeiten. Erwartet er in Zukunft steigende Zinsen, dann wird der zu zahlende Zins doch attraktiv.

Was ist mit den Anlegern? Für jene, die sehr langfristig regelmässige Zahlungsströme suchen (dies wird Pensionskassen und Versicherungen nachgesagt), bieten langlaufende Anleihen eine Sicherheit. Sie bieten Anlegern, die die Anlage bis zur Fälligkeit halten, mit der Gewissheit nicht den Marktbewegungen ausgesetzt zu sein. Aus Gründen der Abstimmung der Verbindlichkeiten (Liability matching) spielen Fälligkeiten in ferner Zukunft auch eine wichtige Rolle.

Die Risiken für Anleger sind jedoch wesentlich. Das Ausfallrisiko kann nicht missachtet werden und die Liquidität kann auch zum Problem werden. Das allergrösste Risiko sind jedoch Veränderungen bei den Zinsen. Fallende Zinsen lassen die Anleihepreise steigen. Es ist jedoch schwer vorstellbar, das Zinsen über die nächsten 50, 70 oder 100 Jahre so niedrig wie aktuell bleiben. Steigende Zinsen werden dann die Preise der Anleihen negativ beeinflussen und ihre Attraktivität schmälern.

Die Schweizer 50-jährige Anleihe, mit einer Laufzeit bis 2064, hat seit ihrer Herausgabe im Juni 2014 eine Performance von 44%. Was in einem Umfeld von fallenden Zinsen sagenhaft aussieht, verbirgt auch signifikantes Risiko. Die Anleihe hat noch eine Laufzeit von 47 Jahren und viel wird bis dann noch passieren. Die Volatilität der Anleihe, seit Auflegung 2014, beträgt 17%, während Schweizer und europäische Aktien, über die gleiche Periode, eine Volatilität von weniger als 14% hatten. Dies gibt uns nicht das Gefühl, dass Anleihen langfristig eine sichere Anlage sind – im Gegenteil!

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