Der Ölpreis steigt – na und?

31. May 2018
-News, IAM

Erika Mesmer, Client Relationship Manager

Der Ölpreis hat seit Jahresbeginn um rund 20% zugelegt, seit seinem Tiefpunkt im Januar 2016 hat er sich verdreifacht. Während die Nachfrage stark blieb und zugelegt hat, war das Angebot in der Zeit von tieferen Preisen schwächer. Heute sind die Reserven leer und das Angebot sollte sich leicht stärken.

Auf der Bedarfseite ist es interessant zu sehen, dass auch wenn die weltweite Nachfrage weiterhin steigt, die Nachfrage in den entwickelten Ländern rückläufig ist. In den USA z. B., lag die Nachfrage am Ende 2017 unter dem Niveau von 2000, während die gesamte Bevölkerung im Land über den gleichen Zeitraum um über 40 Millionen Menschen zugelegt hat. Die Zunahme der Nachfrage stammt daher, sowohl pro Kopf als auch insgesamt, von den Emerging Markets.

Auf der Angebotsseite sind sich die produzierenden Länder und Unternehmen dieses Trendwechsels, der in einer Verlangsamung enden wird, sehr bewusst. Die produzierenden Länder üben sich daher in Spieltheorie, mit Berücksichtigung vieler verschiedener wirtschaftlicher, politischer und ökologischer Faktoren, die oft auch gegensätzlich sind. Sie müssen ihre Strategie laufend anpassen, mit dem Ziel den langfristigen Cash Flow, den sie mit ihren endlichen Ölreserven generieren können, zu maximieren.

Viele der ölproduzierenden Unternehmen haben ihrerseits ihr Businessmodel diversifiziert. Aktiv ist da z. B. die französische Total. Für gewisse führt die Diversifizierung weg von ihren historischen Aktivitäten zu einem Namenswechsel. Jüngstes Beispiel ist das norwegische Unternehmen Statoil, welches nun unter Equinor bekannt sein wird. Dieser Namenswechsel soll reflektieren, dass das Unternehmen sich auch neuen, mehr nachhaltigeren Energiequellen widmet, wie Windfarmen und Sonnenenergie, zusätzlich zum traditionellen Ölbusiness.

Auch wenn das Ende des Ölzeitalters nun schon seit 40 Jahren angekündigt wird, so ist die Spitze der Ölproduktion jedoch immer noch nicht erreicht worden. Die Variation in Preis und Volumen werden daher in absehbarer Zukunft weiterhin wichtige Indikatoren für den Zustand der Wirtschaft sein. Fallende Preise werden von Konsumenten im allgemein begrüsst, da sie ihre Kaufkraft verbessert. Dies kann jedoch auch zu Befürchtungen bezüglich Deflation und sinkenden Investitionsaufwand oder sogar Produktionskapazitäten der Ölproduzenten führen.

Steigende Preise, ausser sie sind von politischen Spannungen ausgelöst, signalisieren starke Aktivität der Wirtschaft im Allgemeinen, während Energieunternehmen wahrscheinlich ihre Investitionen verstärken. Dies ist das wirtschaftliche Umfeld, das wir im Moment beobachten.

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